Chili Informationen
Über Chilis
Wissenswertes zu Sorten, Schärfe, Capsaicin und Scoville Units
Chilis faszinieren durch ihre enorme Vielfalt an Sorten, Aromen, Schärfegraden und Verwendungsmöglichkeiten in der Küche. Ob mild, fruchtig oder extrem scharf: Wer sich mit Chili, Paprika und Capsaicin beschäftigt, entdeckt schnell eine spannende Welt voller Unterschiede.
Direkt springen zu:
Chili-Gattungen – welche Arten von Chilis gibt es?
Chilis gehören zur Gattung Capsicum und damit zu den Paprika-Pflanzen. Innerhalb dieser Gattung gibt es verschiedene Arten, die sich in Geschmack, Aussehen, Schärfe und Verwendung unterscheiden.
Capsicum annuum
Capsicum frutescens
Capsicum chinense
Capsicum pubescens
Jede Chili-Gattung bringt eigene Eigenschaften mit. Wer gerne kocht, experimentiert oder scharfe Speisen liebt, kann mit den verschiedenen Chili-Arten viele neue Geschmackswelten entdecken – einen vollständigen Überblick über unsere Sorten findest du im Chili-Sorten-Wiki.
Die Chili-Frucht – botanisch keine Schote, sondern eine Beere
Auch wenn Chilis im Alltag und in der Küche meist als Schoten bezeichnet werden, handelt es sich botanisch gesehen um Beeren.
An der Plazenta und an den inneren Scheidewänden sitzen die Samen. Die Samen sind meist nierenförmig, glatt und je nach Art hellbraun bis schwarz. Je nach Chili-Sorte unterscheidet sich auch ihre Grösse und ihr Gewicht.
Capsaicin – warum Chilis scharf sind
Die Schärfe von Chilis wird durch Capsaicinoide verursacht. Der wichtigste Stoff aus dieser Gruppe ist das Capsaicin. Im Gegensatz zu süss, sauer, salzig oder bitter, die über die Geschmacksknospen wahrgenommen werden, löst Capsaicin keinen eigentlichen Geschmack aus. Stattdessen verursacht es einen Hitze- und Schmerzreiz, den wir als Schärfe empfinden.
Milde Gemüsepaprika enthalten heute meist kaum noch Capsaicin. Andere Sorten wie Peperoni, Peperoncini, Habanero oder Tepin enthalten deutlich höhere Mengen. Moderne Superhot-Chilis erreichen sogar nochmals wesentlich höhere Capsaicin-Konzentrationen.
Capsaicin wird von speziellen Drüsenzellen gebildet, die sich vor allem auf der Plazentawand im Inneren der Frucht befinden. Deshalb sitzt die Schärfe nicht hauptsächlich in den Samen selbst, sondern vor allem in der Plazenta, den inneren Scheidewänden und den Bereichen direkt um die Samen herum. Deshalb ist bei vielen scharfen Chili-Sorten das Stielende deutlich schärfer als die Spitze der Frucht.
Mehr zur Wirkung von Capsaicin im Körper findest du im Capsaicin-Wiki.
Scoville Units – wie wird Chili-Schärfe gemessen?
Die Schärfe von Chilis wird traditionell in Scoville Units gemessen. Die Abkürzung dafür lautet SCU oder SHU für Scoville Heat Units.
Das ursprüngliche Scoville-Verfahren: Wilbur L. Scoville verdünnte eine Probe so lange, bis keine Schärfe mehr wahrnehmbar war. Der Punkt, an dem die Schärfe subjektiv nicht mehr festgestellt werden konnte, bestimmte den Scoville-Wert.
- 0 Scoville = keine wahrnehmbare Schärfe
- Sehr hohe Scoville-Werte = sehr hoher Capsaicin-Gehalt
- Reines Capsaicin liegt je nach Quelle bei etwa 15 bis 16 Millionen Scoville Units
Das ursprüngliche Verfahren hatte jedoch Schwächen, da das persönliche Schärfeempfinden sehr unterschiedlich ist und sich zudem an Schärfe gewöhnen kann. Heute wird die Schärfe meist mit der Hochleistungs-Flüssigchromatographie (HPLC) gemessen: Dabei werden die wichtigsten Capsaicin-Verbindungen im Produkt gemessen – insbesondere Capsaicin, Dihydrocapsaicin und teilweise auch Nordihydrocapsaicin. Die gemessenen Werte werden anschliessend in das bekannte Scoville-System umgerechnet.
Die genaue Skala mit allen Vergleichswerten findest du in unserer Scoville-Tabelle, mehr Hintergrund in Was sind Scoville Units.
Was hilft, wenn es zu scharf war?
Wenn ein Essen mit Chili oder Hot Sauce zu scharf geraten ist, bringt Wasser meist kaum Erleichterung. Capsaicin ist fettlöslich und lässt sich deshalb mit Wasser nur schlecht neutralisieren.
✅ Hilft wirklich
- Joghurt
- Milch
- Käse
- Butter
- andere öl- oder fetthaltige Lebensmittel
- 10-prozentige Zuckerlösung
- Zucker oder Tomatensaft
⚠️ Bei Hautkontakt
- Alkohol kann bei Brennen auf der Haut helfen
- Etwas Speiseöl kann bei empfindlichen Körperstellen Linderung verschaffen
❓ Häufige Fragen zu Chilis
Ist eine Chili botanisch ein Gemüse?
Nein. Botanisch gesehen ist eine Chili keine Schote und kein Gemüse, sondern eine Beere – sie besteht aus Exokarp (Fruchthaut), Mesokarp (Fruchtfleisch) und Endokarp (innere Fruchtwand).
Welcher Teil der Chili ist am schärfsten?
Nicht die Samen, sondern die Plazenta (die weisse Innenmembran) und die inneren Scheidewände enthalten den grössten Anteil an Capsaicin. Meist ist zudem das Stielende schärfer als die Spitze der Frucht.
Warum sind manche Scoville-Angaben ungenau?
Weil unterschiedliche Messmethoden, fehlende Kalibrierung und schwankende Capsaicin-Gehalte je nach Anbau, Reifegrad und Verarbeitung die Werte beeinflussen. Selbst Früchte derselben Sorte können sich unterscheiden.
Welche Chili-Gattung ist am schärfsten?
Capsicum chinense enthält die meisten extrem scharfen Sorten, darunter Habanero, Scotch Bonnet, Bhut Jolokia und Carolina Reaper.
Fazit – Chilis verstehen und richtig einordnen
Chilis sind weit mehr als nur scharf. Je nach Gattung, Sorte, Capsaicin-Gehalt und Scoville-Wert unterscheiden sie sich stark in Aroma, Intensität und Einsatz in der Küche. Wer die Grundlagen zu Chili-Arten, Capsaicin und Scoville Units kennt, kann Schärfe besser einschätzen und gezielter die passende Chili oder Hot Sauce auswählen.